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 > Freilassing: "Gesellschaftliche Werte nicht verhandelbar"31.07.2010 

Freilassing. Auf Einladung des Grünen-Landtagsabgeordneten Sepp Daxenberger und der Grünen/Bürgerliste Freilassing las Dr. Wilhelm Schlötterer im Lokschuppen aus seinem Buch "Macht und Missbrauch. Franz Josef Strauß und seine Nachfolger. Aufzeichnungen eines Ministerialbeamten". Bereits eine Stunde vor Beginn kamen die ersten Interessierten. Schnell war der Saal brechend voll, selbst auf den Fensterbänken fanden Neugierige Platz.

Gleich am Anfang stellte Dr. Schlötterer klar, dass weder sein Buch, noch seine Ausführungen vor dem Publikum mit Parteipolitik zu tun hätten. Er betonte vielmehr, dass insbesondere Franz Josef Strauß der CSU massiven Schaden zugefügt habe - auch finanziell - und er es sehr bedauere, dass seine Arbeit oftmals auch als Angriff auf die CSU an sich verstanden werde.

Zum Beispiel soll Franz Josef Strauß über ein Vermögen von 300 bis 400 Millionen DM verfügt haben. Während seiner Amtszeit habe er jedoch nur 1,3 Millionen DM verdient. Nach Aussagen der Kinder von Straußfreund und Bäderkönig Zwick liege dieses Geld auf Tarnkonten in der Schweiz.

Dr. Wilhelm Schlötterer erzählte weiter davon, wie er durch seine berufliche Position direkt mit Franz Josef Strauß Machenschaften konfrontiert worden sei. Er arbeitete fast 30 Jahre im bayerischen Finanzministerium. In der Ära Strauß war er mit Steuerfällen betraut, die sich später zu spektakulären Affären ausweiteten und schließlich in der Amigoaffäre mündeten.

Schlötterer erzählte dem gebannten Publikum von Franz Josef Strauß "Spezlwirtschaft". Franz Josef Strauß habe ihm genehme Beamte in Schlüsselpositionen gesetzt, befreundete millionenschwere Unternehmer oder auch Sportler wie Franz Beckenbauer begünstigt und habe lenkend in amtliche Entscheidungen eingegriffen. Wer sich ihm entgegenstellte, sei durch Versetzungen oder Strafanzeigen wegen Landesverrats aus dem Weg geräumt worden.

Wilhelm Schlötterer beteuerte, er berichte lediglich von beweisbaren, wenn auch schier unglaublichen Fakten, deren Zurückweisung die betroffenen Personen in arge Erklärungsnöte bringen würden. Strafanzeigen, die Strauß angestrengt habe, seien später immer fallen gelassen worden, da die Angeklagten unschuldig gewesen seien.

Die Recherchen des ehemaligen Ministerialbeamten enden nicht mit der Ära Strauß, sondern reichen über Max Streibl und Edmund Stoiber bis hin zu Erwin Huber. Edmund Stoiber beispielsweise habe mit seiner Familie mehrere kostenlose mehrwöchige Urlaube beim Waffenhändler Dieter Holzer an der Cote d`Azur verbracht. "Sind Sie schon einmal von einem Waffenhändlern eingeladen worden?", fragt er ins Publikum. Nie seien seine Aufzeichnungen angefochten oder vor Gericht gebracht worden. Selbst hochrangige CSU Politiker hätten ihm, Schlötterer, versichert, sein Buch sei wichtig und notwendig. Dass aktuell die drei Strauß-Kinder mit einer Anzeige drohen, scheint dem Autor nicht aus der Ruhe zu bringen. Er habe schon in seiner Zeit im Minis­terium zwei Strafverfahren über sich ergehen lassen müssen, in beiden sei er klar entlastet worden. "Es gibt nichts, was nicht stimmt. Mein Buch gibt nur Wahres wieder, und alle Bürger haben das Recht, über die damaligen Vorgänge informiert zu werden."

Nach dem Vortrag bestand im Publikum viel Diskussionsbedarf. Die meisten Zuhörer zeigten sich schockiert. Auf die aktuelle Frage aus dem Publikum, ob man davon ausgehen dürfe, dass mit den gekauften Steuer-CDs alles seine Richtigkeit habe, meinte Dr. Schlötterer, auch hier wolle er nicht spekulieren, aber er habe bereits Anrufe bekommen, dass es verwunderlich sei, dass bisher keine Namen aus einer bayerischen Großstadt auftauchten. Prof. Dr. Bernhard Zimmer, 2. Vorsitzender des Kreisverbandes Grüne BGL, meldete sich abschließend eindringlich zu Wort: "Gesellschaftliche Werte sind nicht verhandelbar, deshalb muss jeder Einzelne, müssen noch viele von uns standhaft bleiben und dem Vorbild des Dr. Wilhelm Schlotterer folgen." Einfach wird das auch in Zukunft nicht sein, aber es ist der Weg in Zukunft etwas zu verändern.


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